Mittwoch, 17. Mai 2017

Gespräch mit Peter Schneider: Teil 1

Heute hatte die Redaktion Professor Peter Schneider zu einem Gespräch zu Gast. Er hat unter anderem eine wöchentliche Kolumne im Tagesanzeiger, in der er Leserfragen zu gesellschaftlichen Themen beantwortet. Er hat auch schon Fragen der Redaktion dort aufgenommen. Hier ist der 1. Teil des heutigen Gesprächs, nächste Woche folgt dann der 2. Teil. 




Moderation: Was kann Herr Schneider wohl besonders gut?

Querdenker: Sie können gut etwas schreiben und auch erklären.

El Hombre: Sie sind gut mit worten.

Sokrates: ich habe keine idee. bin gerade blöd.  

Moderation: Herr Schneider, was können die drei Idiotenspeaker wohl besonders gut?

PS: Ihr könnt gut erzählen, wie es euch ergeht.
 

Moderation: Sprache und Kommunikation scheinen gemeinsame Elemente zu sein.


(der Pegel verschiedener Geräusche der Redaktionsmitglieder ist gerade ziemlich hoch) 

Moderation: Könnt ihr erklären, was es mit den verschiedenen Geräuschen auf sich hat?
El Hombre: es gibt verschiedene komponenten.
Sokrates: ich denke so gut nach.

Querdenker: ich bin nervös.


PS: ich auch. Es ist schwierig zu reden, wenn ihr schreibt. Ich kann dann auch besser schreiben. 

(PS schreibt in der Folge seine Gesprächsbeiträge mit der App, welche die Idiotenspeaker oft für ihre verwenden)


Querdenker: Es ist einfacher zu schreiben. Man hat mehr Zeit zum Denken. 

El Hombre: was halten sie von uns soweit?


PS: ihr seid ungewohnt für mich. Ich muss mich an eine andere Art der Unterhaltung gewöhnen. 


Moderation: Möchtet ihr, dass Herr Schneider euch auch eine Frage stellt? 

El Hombre: ja

PS: Ist es anstrengend, sich auf diese Weise mit einem Fremden zu unterhalten? 

Querdenker: Es ist generell anstrengend für uns, egal mit wem. 


El Hombre: aber bei fremden müssen wir mehr erklären. 

Moderation: Gehört das Erklären zu eurem Job?

El Hombre: leider

PS: Was sollte denn für alle selbstverständlich sein und nicht erklärt werden müssen?

Querdenker: dass wir normal lernen können und wollen. Dass wir in der Interaktion einfach etwas anders drauf sind und probleme mit handeln haben.

PS: Wie fühlt es sich an, wenn man nicht so handeln kann, wie man denkt, dass man möchte? 

El Hombre: man braucht eine gute, sichere assistenz, sonst geht man unter.

PS: Wie war es denn früher, ohne Assistenz?

El Hombre: es war beelendend miserabel, nicht verstanden zu werden!

Querdenker: Und wir wurden für idioten gehalten. Das war auch nicht lustig.

(Alle brauchen eine kurze Pause, Kaffee und Apfelschorle machen es besser. Lesen Sie nächste Woche den 2. Teil.)

Mittwoch, 10. Mai 2017

autistenbilder


In der gesellschaft gibt es viele bilder über uns idioten in den köpfen der menschen. Die meisten davon sind falsch oder stark reduzierend und klischiert. Sie kennen alle die figur des fröhlichen, emotionalen typen mit downsyndrom oder den rainman-autisten. Übertriebene bilder aus film und fernsehen? 

Wir machen ein weiteres beispiel mit einem artikel aus dem gechäftsbericht einer einrichtung der behindertenhilfe von vor etwas mehr als einem jahr. Sie können ihn hier lesen. Wir haben die quellenangabe. 

Der artikel versammelt auf wenigen zeilen die gängigsten klischees, in diesem fall über autisten. Verstehen nur konkret, interessieren sich nur für sachthemen, dafür exzessiv und detailversessen, haben keine empathie und null soziale peilung. Jeder zweite satz enthält ein erläuterndes ‘er als autist’ über den gesprächspartner auf dem spektrum. Und der ton des autors trieft nur so von ‘verstehen’ und herablassung. Und das in einer publikation einer behindertenorganisation.

Wir hier auf der redaktion sind zufällig auch alle auf dem spektrum. Aber weder wir noch einer der autisten, die wir kennen, finden uns irgendwo in diesem bild wieder. Lasst uns endlich unsere eigenen bilder in euren büchern und filmen malen und benutzt uns nicht als negativ zu eurem positiv. 


Mittwoch, 3. Mai 2017

handbuch: aussenwirkung und innere realität


Eine ganz grosse quelle für  missverständnisse sind unsere verhaltensweisen. Sie sind oft unkonventionell, teilweise sozial unpassend und nicht immer so gedacht, wie es rauskommt. Das problem ist nun, dass viele normaten denken, das was rauskommt, ist das, was drin ist. Eins zu eins.

Es gibt aber eine riesige diskrepanz  zwischen innen und aussen bei uns, zwischen denken und machen können, geist und körper. Das wäre nicht so schlimm, wenn beobachtende normaten nicht von sich auf uns schliessen würden und annehmen, intelligenz sei immer am verhalten sichtbar. Vielen fällt es schwer, absichtsvolles verhalten von aktivitäten zu unterscheiden, die unser körper einfach automatisch macht und die wir nicht steuern können. Die leute sind so gewohnt, dass innen und ausssen zusammenpasst, dass sie von uns entweder völlig verwirrt sind oder nur das verhalten sehen und dann falsch interpretieren. das passiert uns dauernd.

Eine der wichtigsten regeln im umgang mit idioten ist deshalb, sich nicht vom idiotischen äusseren ablenken und zu annahmen fehlenden denkvermögens verleiten zu lassen. Bei uns sollten die worte zählen, nicht die taten. Dafür muss man uns natürlich worte zugestehen und die passenden kommunikationssysteme und -trainings.