Mittwoch, 9. November 2022

so geht es: leben inklusive (vom Redaktionsschwarm)

 Dieser text wurde für ein inklusionsprojekt verfasst, das aktuell am entstehen ist.


Das normalisierungsprinzip ist das gegenteil von inklusion. Und doch organisieren sich heime danach. Normal ist aber gar nicht unser ziel. Zumindest nicht das, was ohne uns definiert wurde und bei dem wir immer versagen. Solange es normal gibt, gibt es uns andere, draussen. Die, die nicht können oder tun: nicht sprechen, nicht sehen oder hören, nicht laufen, nicht allein anziehen, nicht schnell genug mit den händen arbeiten oder mit dem kopf lernen. Nicht normal. An denen dann betreuys und therapeutys in den heimen täglich ziehen wie an gras, das aber deshalb auch nicht schneller auf normgrösse wächst – oder überhaupt.

Inklusive leben heisst, dass nicht die einen die anderen benennen, beschreiben, bewerten und bestimmen, was sie tun und lassen sollen, wieviel abweichung von ihrer norm akzeptabel ist. Niemand ist behindert, weil niemand normal ist und deshalb das umfeld eben nicht für eine bestimmte gruppe optimal angepasst ist, sondern so konstruiert, dass es für alle passt.

Stellt euch vor, man bekäme nicht nur krücken bei einem gipsbein und danach reha, sondern ebenso leicht assistenz und training für das zeigen auf sprachzeichen, wenn jemand nicht mit dem mund spricht oder alleine tippen kann. Damit eben alle mitreden können, nicht nur die, die für intelligent genug gehalten werden, eine meinung zu entwickeln und gehört zu werden, weil sie normal genug aussehen, körperlich funktionieren oder handeln. Normal genug für die mehrheit oder die meinungsmacher, die bestimmen, was normal ist.

Inklusiv leben heisst, dass es nicht eine richtige art gibt, wie sich menschen treffen und unterhalten; nämlich live, analog und unverhüllt mündlich. Und dann wird von den fans dieser variante rumgeheult, wenn das mal nicht geht, zum beispiel wegen einer pandemie. Und menschen, die andere varianten brauchen oder bevorzugen, werden pathologisiert und ausgegrenzt, ausser sie passen sich an oder lassen sich umtrainieren. Von normalen normalisierungstherapeutys.

Das gelingt natürlich nie ohne qualen für die unnormalen, und es gelingt nie ganz; nie so, dass es natürlich genug wirkt, normal rüberkommt. Aber die normalen sind ja tolerant, wenn andere sich wenigstens anstrengen, ein bisschen weniger aus ihrem rahmen zu fallen oder wenigstens ein paar klischees zu erfüllen. Toleranz ist übrigens auch ein gegenteil von inklusion.

Dabei ginge es nämlich allen besser, wenn wir endlich das normal wegwerfen und in varianten und möglichkeiten leben. Allen ausser denen, die sich an ihre definitionsmacht krallen und an ihr norm-privileg. Aber die lernen es auch noch. Normal ist nämlich niemand, nicht ganz, nicht ohne qualen. Normal ist eine horrorgeschichte, die uns angst machen soll davor, uns eine bessere welt zu schaffen für alle.

Mittwoch, 7. September 2022

Behinderteneinrichtungen behindern (vom redaktionsschwarm)

Einrichtungen für menschen mit beeinträchtigungen, die im alltag viel hilfe brauchen, weil sie schlecht handeln können, sind so organisiert und ausgestattet, dass sie die unfähigkeit der betreuten klienten beibehalten oder sogar erst schaffen, für deren verbesserung sie sich als spezialisten bezeichnen und von klienten und gesellschaft bezahlt werden.

 

Let that sink in! Ein cooles geschäftsmodell.

 

Wie machen die das, fragen sie? Zum beispiel indem sie uk-nutzer aufnehmen und denen dann betreuer an die seite stellen, die keine ahnung von uk haben, die über das hinlegen von smileys hinausgeht. Dann sagen sie, dass der klient eine schwere kommunikationsstörung hat und kognitiv beeinträchtigt ist, weil er nicht kooperiert mit den smileys, und man muss ihn nicht fragen für entscheidungen, die ihn betreffen, weil er ja nicht kommunizieren kann. Dafür haben die einrichtungen ja spezialisiertes personal.

 

Und wenn klienten oder angehörige sich wehren, dann gaslightet man sie, redet ihnen mit schönen worten von oben herab ein, sie sähen das falsch und müssten positiver sein. Man verzögert massnahmen durch reden statt handeln, verwedelt verantwortung mit alibiübungen. Und wenn alles nichts hilft, droht man mit rauswurf, weil der klient sich an einem anderen platz sicher wohler fühlen würde. Diesen platz gibt es aber nicht, denn die einrichtungen sind grundsätzlich alle gleich aufgebaut mit professionellen die ähnliche ausbildungen und unbewusste vorurteile haben. Und das wissen auch alle.

 

Dann zieht doch in eine eigene wohnung mit dem assistenzmodell. Das ist eine andere diskussion, und die hat unter anderem mit geld zu tun. Machen wir in einem anderen post.

Mittwoch, 10. August 2022

Ich rede mit dem Finger (von Gastblogger Y.)

 

Ich rede mit dem finger. Ohne worte. Aber mit viel denken. 

 

Sehr viele leute glauben, ich sei dumm. Und nehmen mich nicht ernst.

 

Ich merke das.

 


Mittwoch, 20. April 2022

noch viel schatten für menschen mit behinderungen in der schweiz (vom redaktionsschwarm)

Liebe freund*innen von idiotenspeak

Habt ihr bisher gedacht, die schweiz macht vorwärts bei der umsetzung der un-brk (behindertenrechtskonvention, von der schweiz 2014 ratifiziert)? Weil doch immer mehr busse und trams zugänglich sind für rollis und srf die paralympics von einem menschen mit behinderung zusammenfassen lässt? Dann lest den aktuellen schattenbericht (gegenperspektive der behindertenorganisationen zum staatenbericht des bundes) zuhanden des uno-behindertenrechtsausschusses, und lasst euch desillusionieren.

Der bericht bestätigt vieles, was wir auch in unserem alltag erleben. Leider. Ist noch sehr schattig, diese realität.

Mittwoch, 6. April 2022

UK Petition (vom Redaktionsschwarm)

Liebe freunde der idiotischen uk-sprecher wie wir

 

Diese petition legen wir euch ans herz. Sie fordert, dass endlich alle, die es brauchen, gute uk kriegen. Das schafft natürlich keine petition und nicht noch so viele unterschriften. Aber ein tritt in den hintern der politik könnte es schon sein. Mal vorwärtsmachen!

 

Hier wird's erklärt:


 

 

 

 

Mittwoch, 30. März 2022

interview mit dem eidgenössischen büro für die gleichstellung behinderter (EBGB)

 2 von uns wurden von frau Annika zemp vom EBGB interviewt für deren newsletter. Dieser erscheint regelmässig online. Darin sollen menschen mit unterschiedlichen beeinträchtigungen über ihr leben mit diesen beeinträchtigungen in der schweiz berichten. Wo werden sie behindert? Wo fühlen sie sich nicht gleichgestellt? Wo sehen sie fortschritte? 

 

Wir haben unsere erfahrungen, meinungen und wünsche als uk-nutzer auf dem autismus-spektrum eingebracht. Das resultat können sie im newsletter nachlesen

 

Viel spass!

Mittwoch, 23. Februar 2022

Das richtige leben (vom Redationsschwarm)

 Liebe freunde des idiotenspeak

Bei der kritik an den coronamassnahmen und der vorfreude auf deren aufhebung hörte man immer wieder, dass man endlich wieder leben können soll. Also quasi mit den massnahmen wie zertifikat, maske und abstand in ausserfamiliären innenräumen kein leben möglich ist oder zumindest keines, das lebenswert ist. Abgesehen davon, dass dies doch etwas sehr überdramatisiert dahersülzte, fragen wir uns auch, was da als leben definiert wird.

Der übliche alltag wie wohnen, einkaufen, arbeiten, freunde treffen, familie knuddeln kann nicht gemeint sein. Das ging und geht auch mit den massnahmen. Auch ins restaurant, kino, konzert und in clubs, zum sport und auf parties konnte man. Reisen und in die schule konnte man. Also wenn man genügend geld hat, nicht krank, ein mensch mit beeinträchtigung oder ein pflegender angehöriger mensch ist. Sonst bleibt einem vieles davon oft verwehrt. Hat aber nichts mit coronamassnahmen zu tun.

Was beinhaltet also dieses ominöse leben, das die massnahmen verhindert haben und das doch anscheinend das einzig wahre leben ist? Und was heisst das für die leben derer, die da auch vor corona nicht waren?

Vor allem scheint das viel mit distanzlosigkeit, feiern in grossen gruppen mit viel alkohol und geschrei und am meisten mit dem freien blick auf mund und nase zu tun zu haben. Oder doch eher mit dem ausleben von reinem egoismus, jederzeit alles genau so tun zu können, wie man will; ohne mühsam rücksicht zu nehmen auf irgendwas oder irgendwen? Und ohne konsequenzen und verantwortung für dieses ‘wieder richtig leben’. Zwei jahre sind schliesslich genug. Soll sich die vulnerable gruppe jetzt mal selbst schützen.

Dieses 'richtige leben' muss endlich wieder vorrang haben. Denn das sind die Leute, die dieses leben so richtig finden, gewohnt, dass ihre sicht von ‘richtig leben’ und ihre bedürfnisse und ihre definition von freiheit vorrang haben. 

Jetzt auf die strasse zu gehen und diktatur zu schreien wegen maskenpflicht im öv, während in der Ukraine bald die menschen vielleicht unter einem diktator mit atomwaffen leben müssen, ist die textbook-definition von privileg und ignoranz.